Vertrauen in Immobilienbewerter

Augen auf bei der Wahl eines Sachverständigen

Aus der Rubrik: „Und t√§glich gr√ľ√üt das Murmeltier“

Zur Erstellung eines Wertgutachtens f√ľr eine Immobilie braucht es beim Gutachter umfassendes rechtliches und fachliches Wissen, Knowhow und Charakter. Gerade das Letztere vermisse ich seit geraumer Zeit sehr h√§ufig, wenn mir Gutachten von Kollegen zur Pr√ľfung vorgelegt werden.

Bevor man als Sachverst√§ndiger ein Gutachten f√ľr eine Immobilie unterschreibt, hat man doch die verdammte Pflicht, einen Moment inne zu halten und zu √ľberlegen: Habe ich in dem Gutachten alles bedacht und ber√ľcksichtigt? Sind die angewendeten Wertermittlungsverfahren f√ľr diese Immobilie √ľberhaupt geeignet? Habe ich alle rechtlichen Umst√§nde ber√ľcksichtigt? Kommt das Gutachten zu einem marktgerechten Verkehrswert? Sind die Wertermittlungsans√§tze nachvollziehbar begr√ľndet oder nur mit der Floskel „sachverst√§ndig gesch√§tzt“ einfach nur behauptet?

Wenn mir dabei der leiseste Zweifel kommt, gehe ich noch einmal auf Anfang oder Start.

Ich werte den Markt noch einmal auf eine andere Weise aus, lese den √∂rtlichen Grundst√ľcksmarktbericht noch einmal, beschaffe mir weitere Informationen oder wende noch ein weiteres Wertermittlungsverfahren an.

Und, dies tue ich √ľbrigens ausdr√ľcklich auch dann, wenn das eigentlich nicht mehr vom Honorar gedeckt ist. Es geht doch h√§ufig um betr√§chtliche Verm√∂genswerte bei allen Beteiligten.

Bei manchen Kollegen hat man den Eindruck, dass sie die Gutachtenschreiberei nicht zum Br√∂tchenerwerb , sondern aus reiner Profitgier betreiben. Das eigene Ego steht vor allem und die finanziellen Konsequenzen f√ľr Auftraggeber und Dritte spielen bei ihnen keine Rolle. Und, es sind vornehmlich √∂ffentlich-bestellte und vereidigte Kollegen, die solch ein Verhalten an den Tag legen.

Ich nenne so etwas skrupellos.

Aber irgendwann rächt sich so ein Verhalten bitter. Leider dauert es eine Weile und der bis dahin entstandene Vermögensschaden bei den Beteiligten kann hoch sein.

Also bitte √ľberlegen Sie sehr genau, ob der zu beauftragende Sachverst√§ndige gerade diese Charaktereigenschaft besitzt. Diese Charaktereigenschaft ist mehr wert, als ein billiges Gutachtenhonorar. Und, an der h√ľbschen Nasenspitze, der gespielten Freundlichkeit oder irgendwelchen Titeln erkennt man sie auch nicht.

Viele Gr√ľ√üe vom heute sonnigen Sachverst√§ndigenschreibtisch
Euer

Lutz Schneider

PS: Eine Checkliste zur Auswahl eines geeigneten Sachverst√§ndigen k√∂nnen Sie beispielsweise hier unter dem Punkt „H√§ufig gestellte Fragen“ finden.